Über Skálholt

Skálholt in Südisland ist einer der wichtigsten historischen Orte des Landes. Im Jahr 1000 n. Chr. Wurde das Christentum gesetzlich zur offiziellen Religion Islands. Der erste Bischof, Ísleifur Gissurarson (Bischofsweihe im Jahr 1056), erhob Skálholt zum Bischofssitz über ganz Island. (Der zweite Bischofssitz, Hólar in Nordisland, wurde erst 1106 gegründet.)

Skálholt wurde zum Mittelpunkt für Bildung und Kultur für die Dauer von mehr als 700 Jahren. Unter den Bischöfen des Mittelalters tritt besonders Þorlákur Þórhallsson (1178-1198 im Amt) und Islands einziger Heiliger, hervor. Aus allen Winkeln des Landes kamen Pilger zu seiner Reliquie. Während dieser Zeit wurden auch die gewaltigen, vollständig aus Holz konstruierten Kathedralen in Skálholt errichtet.

Mitte des 16. Jahrhunderts konvertierte das unter dänische Herrschaft gestellte Island zum Luthertum. Während dieser unruhigen Zeiten wurde der letzte katholische Bischof von Hólar in Skálholt hingerichtet. Ein sehr erfreuliches Resultat der Reformation war hingegen die Übersetzung der Bibel ins Isländische. Diese Arbeit begann heimlich im Kuhstall von Skálholt.

Einer der bekanntesten und einflussreichsten Bischöfe nach der Reformation war Brynjólfur Sveinsson (1639-1674 im Amt). Er war sehr angesehen dank seiner exzellenten Bildung, aber nicht zuletzt auch wegen seiner Sammlung alter isländischer Manuskripte. Zudem liess er eine hölzerne Kirche, von ungefähr denselben Ausmassen wie die der heutigen Kathedrale, in Skálholt errichten. Erwiesenermassen standen alle 10 Skálholtskirchen auf demselben Fundament.

Während Jahrhunderten war Skálholt die eigentliche Hauptstadt einer ländlich geprägten Gesellschaft, sowie der kulturelle und spirituelle Mittelpunkt des Landes (zusammen mit Hólar im Norden), wodurch es sowohl kirchen- wie auch kulturhistorisch grosse Bedeutung für Island erlangte. Jedoch, bedingt durch das Schwinden des bischöflichen Einflusses einerseits, wie durch zahlreiche Naturkatastrophen andererseits (Vulkanausbrüche und ein starkes Erdbeben im späten 18. Jh.), wurden Bischofssitz und Schule nach Reykjavík verlegt. Skálholt hingegen verlor an Bedeutung.

Mitte des 20. Jahrhunderts erwachte das Interesse am historisch so bedeutsamen Skálholt erneut. Die heutige Kathedrale wurde 1963 geweiht. Sie ist sowohl bekannt für ihre Beispiele zeitgenössischer Kunst, wie auch für antike Gegenstände aus den früheren Kirchen.

In der Krypta befindet sich eine Ausstellung des Isländischen Nationalmuseums. Unter anderem wird der Sarkophag von Páll Jónsson (1195-1211 im Amt) gezeigt, welcher während der archäologischen Ausgrabungen 1954 gefunden wurde. Auch die späteren Grabungen förderten etliche interessante Funde zutage.

Die Skálholtsschule begann 1972 als Volkshochschule, heute jedoch ist sie ein Zentrum für Kultur und Bildung, sowie ein Ziel für Pilger und ein Rückzugsort zur stillen Einkehr.